Asthma bei Kindern


Asthma bei Kindern
 und Jugendlichen

 

 

 

 

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Was bedeutet Asthma ?

Man spricht von Asthma, wenn aufgrund einer Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut immer wieder Einengungen im Bereich der Bronchien auftreten (die Bronchien sind der Teil der Atemwege zwischen Luftröhre und Lungenbläschen
).

 

 

Die Bronchien münden nach über 20 Aufzweigungen ("Bronchialbaum") in die Lungenbläschen. Von dort gelangt Sauerstoff ins Blut und Kohlendioxid in die Ausatmungsluft. In Deutschland leiden inzwischen ca. 10 % der Schulkinder an Asthma.

Ursachen für die erwähnten Einengungen
der Bronchien sind:
  1. eine entzündungsbedingte Schwellung der Schleimhaut, mit der die Bronchien von innen ausgekleidet sind; die zugrunde liegende Entzündung kann durch eine Infektion (Bakterien, Viren) oder eine allergische Reaktion bedingt sein. Bei chronischer Entzündung kann ein narbiger Umbau stattfinden.
  2. eine Verkrampfung der Muskeln, die die Bronchien wie eine Spirale umgeben ("Bronchospasmus");
  3. eine zähe Schleimabsonderung und Zellansammlung in der Bronchialschleimhaut.

 




Wie werden die Beschwerden ausgelöst ?

 

Bei Schulkindern sind Allergene wichtige Auslöser; dies sind Stoffe, die beim Menschen eine überstarke Abwehrreaktion hervorrufen, z.B. Bestandteile von Pflanzen (Pollen), Tieren und Hausstaubmilben.

Die Blütezeit und der Pollenflug kann je nach Pflanze ganz unterschiedlich sein (Abbildung). Auch innerhalb Deutschlands gibt es beträchtliche Unterschiede. Im Gebirge bzw. an Nord- und Ostsee ist eine Verzögerung von ca. 4 Wochen einzukalkulieren.

 

 

Abbildung 'Prozentualer Anteil'

 

Daneben spielen Reize aller Art, wie Staub, Tabakrauch und andere Luftverunreinigungen, kalte Luft, Nebel u.ä. eine wichtigeRolle; Atmung durch den Mund bei Schnupfen und körperlichen Anstrengungen ist daher besonders nachteilig.
Bei kleinen Kindern sind besonders oft auch Erkältungen, die durch Viren verursacht werden, für Asthma-Beschwerden verantwortlich.

Auch Aufregungen und Angstzustände können Asthma-Beschwerden auslösen.


 

Wie erkennt man Asthma ?

 

Typische Beschwerden sind trockener Reizhusten oder pfeifende Atmung mit Atemnot, die nachts, bei oder nach körperlichen Belastungen, bei Einatmung von Allergenen (wie oben erwähnt) und bei Aufregungen auftreten.

 

Der Arzt hört mit dem Stethoskop auch schwächere Atemgeräusche, besonders wenn es ihm oder den Angehörigen gelingt, eine schnelle und lange Ausatmung des Kindes zu erreichen. Anhand von "Lungenfunktionsuntersuchungen" kann man vom Vorschulalter an (in Ausnahmefällen auch beim schlafenden Säugling) den Luftwiderstand beim Atmen und die Menge der in der Lunge zurückgehaltenen Luft messen und die Wirkung der untengenannten Medikamente feststellen. Bei Verdacht auf eine Überempfindlichkeit der Bronchien können zusätzliche Tests durchgeführt werden, z.B. ein "Lauftest".

Die Reaktion des Körpers auf verdächtige Allergene kann durch Haut-, Blut- oder Inhalationstests untersucht werden. Der Einfluß einer Infektion kann u.a.durch ein Blutbild und eine Röntgenaufnahme der Lunge, eventuell auch der Nasennebenhöhlen, festgestellt werden.


Welches sind die Behandlungsziele ?

Vorrangiges Ziel der Behandlung ist der Schutz vor spürbaren Beschwerden im Alltag, insbesondere vor Asthma-Anfällen. Daneben sollen Spätschäden an Atemwegen und Lunge, am Herz und in der körperlichen Entwicklung verhindert werden. Dies lässt sich mit Hilfe von Lungenfunktions-untersuchungen überprüfen.
Beim Kind bedeutet dies, daß es unter einer guten Behandlung am Sport oder Spiel mit Freunden möglichst ohne Einschränkungen teilnehmen kann und den Kindergarten bzw. die Schule nicht versäumen muss.
 

 Wie behandelt man Asthma?

Nicht-medikamentöse Behandlung (ausführlicher unter Merkblatt "Sanierungsmaßnahmen"):

Der Kontakt zu Reizstoffen in der Atemluft und zu Substanzen, auf die der Asthmatiker allergisch reagiert, sollte möglichst gering gehalten werden. Empfohlen werden u.a. der Verzicht auf Tierhaltung, unnötige Staubquellen (Hobbies !), Verzicht auf Rauchen in der Wohnung, Bettzeug und Matratzen aus tierischem oder pflanzlichem Material (ggf. hautfreundliche milbendichte Spezialüberzüge oder sogar "Allergiker-Matratzen" zum Schutz gegen Milben) und die Verwendung von Staubsaugern, die mit Feinstaubfiltern ausgerüstet sind. Feuchte Wandstellen müssen saniert werden. Pflanzen mit Blumenerde sowie Hydrokulturen sollten auf ein  Minimum beschränkt werden (erhöhtes Risiko der Schimmelpilzbildung). Wichtig ist häufiges Lüften der Wohnung.

 

Medikamentöse Behandlung:

1. Die Bronchialmuskeln entspannende bronchialerweiternde Mittel:


Bei zu  hoher Dosis können sie zu Unruhe und Herzrhythmusstörungen führen. Man teilt sie auf in kurz- und langwirksame Mittel.
Die kurzwirksamen Mittel haben eine Wirkdauer von  4 - 6 Stunden . Bei Infekten wirken sie deutlich kürzer. Sie werden vor allem bei akut auftretenden bronchialen Einengungen und zur Ergänzung der Langzeittherapie verwendet.  Die meisten Mittel wirken innerhalb weniger Minuten.

Dielangwirksamen Mittel haben eine Wirkdauer von 10 - 12 Stunden. Einige wirken ebenso rasch wie die kurzwirksamen Mittel,  z.B. Formoterol (Foradil P® etc.), andere haben eine längere Anlaufzeit, z.B. Salmeterol (Serevent ® etc.).

 

2. Antiallergisch wirkende und die bronchiale Überempfindlichkeit dämpfende Mittel:


Sie enthalten Cromoglicinsäure oder Nedocromil-Natrium und haben nur selten unerwünschte Nebenwirkungen, müssen aber in der Regel 3-4mal täglich verabreicht werden: z.B. DNCG®, Intal®; Tilade®. In Aarane N®, Allergospasmin®-Spray (= Dosieraerosol) usw. sind die Bronchien erweiternde und antiallergische Mittel miteinander kombiniert.

 

3. Entzündungsdämpfende Mittel:


Für die Langzeitbehandlung stehen Kortisonsprays oder -Pulver wie Flutide®, Junik®, Novopulmon®, Pulmicort® und Ventolair®-Spray oder -Autohaler zur Verfügung.
Sprays über Inhalationshilfen verabreicht, sind bis zum Ende des Längenwachstums zu bevorzugen. Kortisonpulver haben den Nachteil, dass sich wesentlich mehr Kortison in der Mundhöhle ablagert und dort eher Soor verursachen kann. Außerdem wird dadurch mehr Kortison geschluckt und vom Körper aufgenommen. Bei richtiger Dosierung und Anwendung (Inhalationshilfen, Mundspülung) hat inhalativ verabreichtes Kortison kaum Nebenwirkungen. Die Menge beträgt nur etwa 1/100 bis 1/1000 eines Kortisionzäpfchens wie Rectodelt® (100 mg) oder Klismacort®, das bei einem Krupp - oder Asthmaanfall üblich ist.

Eine Kortison-Inhalationslösung, die vorzugsweise bei Säuglilngen und Kleinkindern Anwendung findet, ist "Pulmicort Suspension" (0,5 mg/2 ml oder 1,0 mg/2 ml). Bei der Inhalation über eine Maske gehen 90 bis 95 % des Medikamentes verloren. Es muss daher ausreichend hoch dosiert werden (z.B. 2 bis 3 x 2 ml).
Eine Kortison-Inhalationslösung, die vorzugsweise bei Säuglingen und Kleinkindern Anwendung findet, ist "Pulmicort Suspension"(0,5 mg/2ml). Bei der Inhalation über eine Maske gehen etwa 90 bis 95 % des Medikamentes verloren. Es muss daher ausreichend hoch dosiert werden (z.B. 2 bis 3 x 2ml).

 

Bei akuten infekt- und allergiebedingten Asthma-Beschwerden ist häufig der kurzfristige Einsatz von Kortison, über den Mund, über den Darm oder intravenös verabreicht, nötig, z.B. Decortin H®, Prednisolon, Rectodelt®, Celestamine N 0,5 liquidum (über den Mund mit viel Flüssigkeit), INFECTODEXAKRUPP®-Saft. Eine längerfristige Anwendung kann mit Nebenwirkungen wie Wassereinlagerung und Wachstumsverzögerung einhergehen.

  

 

Antileukotriene (z.B. Singulair mini oder junior) haben eine schwächere entzündungsdämpfende Wirkung als Kortison und eine milde atemwegserweiternde Wirkung. Ihr Vorteil liegt in den geringen Nebenwirkungen und in der einfachen Verabreichung als Kau- bzw. Filmtablette, die einmal täglich erfolgt (am besten vor dem Abendessen). Sie helfen Kortison einzusparen.
Bei Schwierigkeiten mit den inhalativ verabreichten Medikamenten werden sie vom 3. Lebensjahr an den unter Punkt 2 genannten Medikamenten vorgezogen.

 

  

Oft müssen mehrere Medikamente bei einem Patienten gleichzeitig gegeben werden !

 

 

4. Hyposensibilisierungsbehandlung

 

Dabei werden dem Körper mit Spritzen, die unter die Haut verabreicht werden, anfangs in niedriger, später in immer größeren Mengen die Substanzen zugeführt, die sonst allergische Reaktionen auslösen. Auf diese Weise wird der Organismus zu Anpassungsreaktionen veranlaßt, durch die die Überempfindlichkeit gegenüber dem Allergen teilweise oder fast vollständig gedämpft wird.

 

Häufig müssen zusätzlich die oben erwähnten Medikamente verabreicht werden. Eine Behandlung mit Allergenkapseln oder -tropfen, die geschluckt werden, hat nach den bisherigen Erfahrungen wesentlich weniger Aussicht auf Erfolg. 

 

5. Anti-IgE-Behandlung


Bei schwerem Asthma mit ausgeprägter allergischer Komponente ist eine Anti-IgE-Behandlung (mit Xolair®), die die allergischen Reaktionen weitgehend unterdrückt, zu erwägen (inzwischen zugelassen ab 6 Jahren). Auch Anti-IgE wird unter die Haut gespritzt (alle 2-4 Wochen).

Ist eine Beendigung der Behandlung möglich ?


Sind länger als 6 Monate keine Beschwerden mehr aufgetreten, so kann nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt die Behandlung mit Medikamenten behutsam verringert, vielleicht sogar beendet werden.Die oben beschriebenen nicht-medikamentösen Vorsichtsmaßnahmen sollten jedoch weiterhin, auch bei der späteren Berufswahl, beachtet werden.
Längerfristig verlieren etwa 30 % der Asthmatiker ihre bronchiale Überempfindlichkeit.