Husten
 

In der kühlen Jahreszeit werden mehr als 50 % der Kinder beim Arzt wegen Hustens vorgestellt. Durch Husten werden nicht nur die kleinen Patienten belastet, sondern - vor allem bei nächtlichem Husten - die ganze Familie.
Husten ist zum einen ein wichtiger ergänzender Schutz- und Reinigungsmechanismus zur Entfernung von Fremdkörpern und Schleim.

Zum anderen kann Husten ungünstige Auswirkungen haben:
Der dabei entstehende hohe intrathorakale Druck (bis zu 300 mmHg) kann bei instabilen Bronchien den Schleimtransport in den Atemwegen beeinträchtigen;der erhöhte Druck auf den Magen kann zu Erbrechen, im Bauchraum zu Leistenbrüchen und in Haut und Schleimhaut durch den venösen Rückstau zu Blutungen führen. Beim stakkatoartige Husten bei Pertussis ist auch eine Zyanose möglich.

Im Mittel sind ca. 10 kurze Hustenstöße im Wachzustand bei Kindern physiologisch. Jeder auffällige bzw. über mehrere Wochen anhaltende Husten bedarf der Klärung.

Bei banalem akuten Husten im Rahmen eines Infekts der oberen Atemwege kann auf jede weitere Diagnostik verzichtet werden. Bei infektbedingtem Krupp und bei Pneumonie ist in der Regel ebenfalls nur eine begrenzte Diagnostik erforderlich.

Blutbild, Entzündungsparameter und Röntgenbild sind ggf. hifreich (Tab. 1). Bei geringem Therapie-Erfolg bzw. progredientem Krankheitsgeschehen ist eine weitergehende Diagnostik mittels Serologie, Keimnachweis bzw. PCR-Nachweis aus Nasenrachensekret, tiefem Rachenabstrich und Sputum erforderlich.

 

 

Tab. 1 Labordiagnostik bei akutem Husten

- oft: keinerlei Diagnostik

- Röntgen-Thorax, ggf. Ultraschall

- Blutbild, Entzündungszeichen,

- Schnelldiagnostik (z.B. ELISA: RSV ); PCR aus Nasenrachensekret, tiefem Rachenabstrich,
  Sputum;

- ggf. eingehende Serologie (Latenz der Ergebnisse !);

- ggf. gezielter Keimnachweis im Urin (z.B. bei Verdacht auf Zytomegalie)

- Endoskopie zum Ausschluss einer Fremdkörperaspiration

 

 

Die Resultate müssen stets kritisch betrachtet und im Zusammenhang mit dem klinischen Bild gesehen werden (vgl. Tab. 2). Die Therapie erfolgt zunächst kalkuliert und wird später je nach Resultat des Keimnachweises und eines Antibiogramms ggf. modifiziert.

 

 

Tab. 2 Vor-und Nachteile der Diagnostik mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR)

Vorteile
- kleinste Mengen von Erregern nachweisbar (auch nicht mehr lebende bzw. infektiöse Teile)
- Ergebnis innerhalb von 2 – 3 Tagen

Nachteile
- Keine Entscheidungshilfe, ob ein Erreger infektiös, d.h. intakt u. vermehrungsfähig ist
- Hohes Kontaminationsrisiko (falsch positives Ergebnis !)
- PCR-Inhibitoren im Untersuchungsmaterial möglich (falsch negativ !)
- relativ hohe Kosten

 

 

Bei kompliziertem Verlauf ist auch an eine bronchoalveoläre Lavage zu denken. In besonderen Situationen, z.B. bei Verdacht auf "Aspiration", muss unverzüglich das gesamte Spektrum bis hin zur Bronchoskopie genutzt werden. In seltenen Fällen kann Husten - meist in Kombination mit Schmerzempfindung und Atemnot - durch einen Pneumothorax oder eine Lungenembolie (besonders im Zusammenhang mit einem nephrotischen Syndrom) ausgelöst werden (Tan. 3).

 

Eine sorgfältige Diagnostik ist auch bei rezidivierendem bzw. chronischem Husten (Dauer > 2 Monate) erforderlich.

Weitere wichtige Informationen liefern:

- die Art des Hustens (trocken / produktiv);

- das Manifestationsmuster und der Klang

- der Zeitpunkt: abends und nachts verstärkt (Allergie, Sinusitis, nicht psychogen);
                       
frühmorgens: nächtliche Mukostase;
                        während des Essens und Spielens: Aspirationsereignis ? Asthma ?

- der Ort: auf dem Spielplatz, im Tierstall, in der Scheune, auf der Wiese

- die Witterung: Husten bei kühler, feuchter Witterung bzw. bei kalter trockener Luft: Asthma-Verdacht

- bei / nach dem Sport: Asthma-Verdacht

- sowie Begleitsymptome (Tab. 3).



 

Tab. 3  Klinische Diagnostik bei Husten mit Begleitsymptomatik

 
 

- stakkatoartig mit Reprise: Pertussis (evtl. mittels Spateldruck auf der Zunge auslösbar)

 

 

- "pertussiform": obstruktive Bronchitis, Asthma, Mukoviszidose

- bellend: Krupp

- ständiges Räuspern: Sinusitis, evtl. "Husten-Tic"

- demonstrativ "blechern", "trompetenähnlich": psychogen

 

    • Inspiratorischer Stridor
  • Häufig: Krupp (Heiserkeit),
  • selten: Epiglottitis
          (Fieber, AZ schlecht, Hypersalivation)
     
  • ebenfalls selten "vocal cord dysfunction",
          Hyperventilation, Rachitis etc. 
    • Überw. exspirator. Giemen
      (Cave: "Stumme Lunge")
  • Obstruktive Bronchitis,  Asthma; Fremdkörper;
  • Lymphom: Tbc o.a. (evtl. einseitig !)
  • Mundatmung, Schnarchen
  • Adenoide Vegetationen, Sinusitis,
       Polyposis nasi et sinuum

            

    • Grobblasige Rasselgeräusche (Rg)
  • Pharyngitis, Tracheitis, Bronchitis,
       Bronchopneumonie
  • typisches Exanthem
  • Masernpneumonie
  • feinblasige Rg (Crepitatio)
        spätinspiratorisch
  • Klassische Pneumonie;
  • evtl. allergische Alveolitis
       od. andere interstitielle Prozesse
  • atypische Pneumonie
  • feinblasige Rg, frühinspiratorisch
       (neben Giemen), Dyspnoe, reduzierter AZ       
  •   Bronchiolitis
  • Schmerz (evtl. mit Dyspnoe)
  • Pleuropneumonie,
        Pneumothorax (Perkussion !),
        Lungenembolie (selten)

       

 

 


Weiterführende Literatur: Pediatric Pulmonology 1999; 28:59-70